Bratislava
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Entdecken Sie die Slowakei!
In Europas Mitte zu Unrecht vergessen: der junge Staat mit traditionsreicher Geschichte und malerischen Naturschönheiten
Beim Stichwort Slowakei geraten die meisten Westeuropäer immer noch ins Grübeln. War das nun ein Bestandteil Jugoslawiens oder der früheren Tschechoslowakei? In jedem Fall ist die Slowakei immer noch eines der unbekanntesten Länder in der Mitte Europas, das man im Übrigen »weit im Osten« vermutet. Dabei ist sie selbst für deutsche Nordlichter in einer Tagesreise zu erreichen und hat als Urlaubs- und Reiseland auch abseits der Hauptstadt Bratislava und der Hohen Tatra, dem touristischen Aushängeschild, viel zu bieten. Die Slowakei ist ein kompaktes, überschaubares Reiseziel, von dem man sich auch in wenigen Tagen einen Eindruck verschaffen kann. Berge - von sanften Hügeln bis zu steilen Felswänden - bestimmen das Landschaftsbild. Schon in der Hauptstadt beginnen die Karpaten; sie heißen hier Kleine Karpaten und werden weiter nördlich von den Weißen Karpaten und anderen Höhenzügen abgelöst, die sie mit den Beskiden an der polnischen Grenze verbinden. Im Norden zieht sich die Hohe Tatra mit etlichen Gipfeln, die über 2600 m hinausragen, nordostwärts. Ihr gegenüber liegen die etwas flachere Niedere Tatra und westlich davon die weitgehend unbekannte West-Tatra sowie die Kleine Fatra, die von Žilina aus gut zugänglich ist. Südöstlich schließt sich an das Tatra-Massiv die bizarre Landschaft des slowakischen Karsts an, der im oberen Teil verheißungsvoll Slowakisches Paradies genannt wird. Im Herzen des Landes komplettieren die erzhaltigen Mittelgebirge das Gebirgspanorama der Slowakei.
Eine ganz andere, lieblichere Landschaft präsentieren das untere, breite Tal der hier behäbig dahinfließenden Waag (Váh) und der schmale Streifen der Donauebene ganz im Süden. Hier geht es auf den Landstraßen zwischen Feldern, Wiesen und Hainen sehr eben dahin. Mohnblumen im Getreide, lange Reihen von Obstbäumen am Wegesrand und Storchennester - eine ländliche Idylle, die nostalgische Gefühle weckt.
In Ost-West-Richtung erstreckt sich die Slowakei von der Ukraine bis nach Österreich. Die längste Grenze trennt das Land von Ungarn, mit dem es eine fast tausendjährige Geschichte verbindet. Weitere Nachbarn sind Polen und die einstige »Brudernation« Tschechien. Auf einem mit der Schweiz vergleichbaren Staatsgebiet leben etwa 5,5 Mio. Menschen. Die größte Entfernung von West nach Ost lässt sich in etwa sechs Autostunden bewältigen. Sie können also in Bratislava mittags aufbrechen, um zum Abendessen in Košice, der zweitgrößten Stadt des Landes, zu sein. Von den schneebedeckten Gipfeln der Hohen Tatra bis zur alten, von ungarischer Lebensart geprägten Festungsstadt Komárno an der Donau dauert die Fahrt gerade mal vier Stunden.
Das Klima der Slowakei ist geprägt von kalten Wintern und heißen Sommern. Was die beste Reisezeit ist, hängt von Ihren sportlichen Vorlieben ab. Von Dezember bis März bietet die Nordslowakei beste Bedingungen für Wintersport. Für die schneefreie Zeit gilt: je nördlicher das Zielgebiet, desto kürzer der Sommer, der aber auch hier ordentlich heiß sein kann. Die liebste Freizeitbeschäftigung der Slowaken ist das Wandern in ihrer wunderbaren Natur, die sie mit insgesamt neun Nationalparks schützen. Extrembergsteiger, Radler und Mountainbiker sind willkommen, wenn sie sich an die Schutzbestimmungen halten. Doch natürlich gibt es auch hier widerstreitende Interessen: Nicht selten kämpfen Tourismusmanager und Naturschützer hartnäckig um die Nutzung attraktiver Gebiete. Alles in allem ist die Slowakei touristisch gut bis sehr gut erschlossen. Seit der politischen Wende wurden die meisten staatlichen Hotels und Gastronomiebetriebe privatisiert, und laufend entstehen weitere kleine Hotels und Pensionen. Denn die Slowaken mögen es gemütlich - dazu gehört in den Hotels und Restaurants der Bergregionen vor allem ein Kamin in der guten Stube.
Das zweitliebste Freizeitvergnügen des Bergvolks der Slowaken ist das Baden - vorzugsweise in angenehm warmem Thermalwasser. Und dazu haben auch Reisende in fast jedem Winkel des Landes Gelegenheit. Berühmte Kurstädte mit heilenden Thermalquellen sind Piešt'any, Trenčianske Teplice und Bardejovské Kúpele, wo sich zunehmend wieder ausländische Kur- und Wellnessgäste treffen. Auch in der Tatra, in den Mittelgebirgen und in der Donauebene können Sie in wohl temperierten Bassins plantschen. Mit den Thermalquellen hängt ein weiteres Charakteristikum der Slowakei zusammen: der Reichtum an Höhlen. In jeder Landesregion gibt es bizarre Tropfsteingebilde zu bestaunen. Durch dunkle Gänge gelangen die Besucher in Hohlräume, die unterirdischen Tanzsälen gleichen.
Ist die Natur vielfach noch ursprünglich, so kann man der das Land einst prägenden bäuerlichen Kultur fast nur noch in Freilichtmuseen nachspüren. Das dafür aber ausgiebig, denn durch die zahlreichen Gebirgszüge bildeten sich viele Mikroregionen mit jeweils unterschiedlichen Baustilen aus, denen in den Museumsdörfern des Landes detailreich Rechnung getragen wird.
Auch wer sich eher für Kunst und Geschichte des bis 1918 nur als »Oberungarn« bekannten Landes interessiert, wird nicht enttäuscht. Dreh- und Angelpunkt ist Bratislava. Die gerade mal 60 km von Wien entfernte Hauptstadt zeichnet ein vertrautes Bild: die Kulisse der Altstadt ist die einer mittleren österreichischen Stadt, mit viel Gesims, Erkern und prächtigen Portalen. An den Fassaden blitzt das slowakische Temperament mitunter in kräftigen Bonbonfarben auf. Im Übrigen ist das Treiben der Menschen ostmitteleuropäisch gemächlich. Hetze und Hektik werden eher als Zeichen von Betriebsamkeit nach außen demonstriert, als dass sie das Leben tatsächlich beherrschen. Das Leben wird gern südländisch gelassen angepackt. Davon zeugen nicht zuletzt abends die vielen Flaneure, Café- und Kneipenbesucher. Man liebt es, sich in der Stadt zu verabreden, zumeist am Korzo (Korso), wie ihn auch die Italiener kennen. Ausgehen, sich amüsieren ist den Slowaken trotz wirtschaftlich nicht einfacher Zeiten ein Bedürfnis. Das kulturelle Leben in Bratislava und anderen Zentren wie Banská Bystrica oder Košice ist rege, zuweilen erstaunlich vielfältig und experimentierfreudig. Die Importe aus der US-Unterhaltungsindustrie sind zwar allgegenwärtig, doch es fehlt nicht an selbstbewussten eigenen Kreationen in Pop und Jazz sowie in Film und Theater, ganz zu schweigen von einer produktiven Literatur- und Kunstszene. Die Slowaken besitzen einen ganz eigenen Humor, der bodenständig-direkt daherkommt. Neben derben Tönen ist aber auch viel Menschlichkeit darin enthalten, die Sie auch als Besucher erleben werden - ebenso wie eine herzliche Gastfreundschaft.
